Hallo miteinander! Da sind wir wieder. Wir sind mal wieder aus dem Wetter in der Schweiz und vor dem ganzen Weihnachtsrummel geflüchtet. Allerdings lässt sich jetzt schon sagen, dass wir bei beiden Aspekten eher vom Regen in die Traufe gekommen sind: Das Wetter ist eine Katastrophe und der Weihnachtsrummel in Panama lässt sich schon langsam nicht mehr steigern.

Aber der Reihe nach. Wieso eigentlich Panama? Da haben wir uns diesmal irgendwie schwer getan. Wohin an Weihnachten? Wir haben schon Luxusprobleme, gell? Aber ganz ehrlich: wenn man um den Jahreswechsel herum eine warme Destination am Meer sucht, ist es irgendwie gar nicht so einfach. Die meisten Regionen in den Tropen oder Suptropen haben in unserem Winter Regenzeit oder sind komplett überlaufen. Wir haben lange mit Thailand geliebäugelt, merkten dann aber schnell, dass die Preise über Weihnachten und Neujahr definitiv die Grenze zur Unverschämtheit überschritten hatten. Ausserdem habe ich die Mentalität der Menschen dort nicht so gern, die sind mir zu aufdringlich. Dann stand noch Malaysia auf dem Programm. Dort ist aber die nordöstliche Küste im Dezember und Januar nicht zu bereisen wegen Überschwemmungen. Dann kam Marco noch mit der Idee daher, wir könnten doch nach Martinique auf ein Segelboot. Aber was machen dann unsere Kids dort? Und dann hätte ich mal wieder in einer 1.5 Quadratmeter-Bootskajüte für uns und die Skipper kochen müssen. Auch nicht so doll.

Und dann landete ich bei meinen Streifzügen auf der Landkarte irgendwann in Panama. Marco wollte ja immer schon mal nach Costa Rica und Panama liegt gleich daneben und ist touristisch weniger überlaufen. Ausserdem ist von Dezember bis Mai Trockenzeit – dachten wir zumindest. Wie man sich doch täuschen kann…

Aber zunächst starteten wir top motiviert und leicht verschlafen am Freitag vor Weihnachten um 6 Uhr morgens in Ipsach:

Freitag, 20.12.24 um 6:28 Uhr am Ipsacher BTI

Wir flogen von Zürich via Madrid mit Air Europa -nicht zu empfehlen, wir wären fast verhungert- nach Panama City. Am Flughafen Panama Tocumen erlebten wir dann unser erstes Faultier. Also die Angestellte beim Immigration Office war dermassen langsam, dass wir Angst hatten, die Ferien könnten vorbei sein, bevor sie mit dem Immigration Prozedere fertig wäre. Links und rechts von uns ging es definiv schneller, nur unsere Dame hatte offenbar ihren ersten Arbeitstag und musste bei jedem Handgriff den Chef fragen. Erschwerend kam noch hinzu, dass sie kein Wort Englisch konnte – kaum zu glauben bei Flughafen-Angestellten!

Wir waren dann auch die letzten, die endlich und komplett entnervt zum Gepäckband kamen und dort rollten zwei unserer Koffer einsam herum. Die nahmen wir mal schnell entgegen und hielten nach dem dritten Koffer ausschau. Als dann nach 10 Minuten das Rollband abgestellt wurde, war klar: unser Koffer kommt heute nicht mehr. Marco hühnerte dann noch im Flughafen herum und hoffte, dass mal wieder jemand anderes unseren Koffer genommen hätte – das war uns ja vor drei Jahren in Namibia schon einmal passiert. Aber heute tauchte der Koffer nicht auf. Also zum Lost&Found Schalter. Dort wurden wir auch schon mit der Frage empfangen, ob wir Lorenzo Rocchi seien. Wir wunderten uns einigermassen, erklärten dann aber, dasss wir genau dieser Herr Rocchi sind und erfuhren, dass unser Koffer (da stand wahrscheinlich LOrenzos Name drauf weil er ihn mal mit im Skilager dabei hatte) und noch zwei weitere noch in Madrid seine. Na super! Das geht ja hier gut los. Wir mussten einen QR-Code scannen und uns durch ellenlange Online-Formulare quälen um die Überstellung unseres Koffers zu veranlassen. Der Angestellte am Schalter war zuversichtlich, dass der Koffer am nächsten Abend mit der gleichen Maschine aus Madrid kommen würde. Na okay, wenigstens war der Koffer nicht verschwunden.

Also fuhren wir mit dem Taxi zu unserer Unterkunft im Geschäftsviertel von Panama City und machten erst einmal Kaffee und überlegten, was in dem einen verschwundenen Koffer überhaupt drin war. Ausser meiner und Marcos Kleidung fehlte nichts, wir hatten Medikamente, Kosmetik, Küchenutensilien und die Kleider der Kinder. Also Glück im Unglück sozusagen, weil es wirklich der unwichtigste Koffer war, der fehlte.

Panama Stadt

Als Schulkind habe ich so Länder wie Panama immer total geliebt, also besonders im Geografie-Unterricht. Weil das Land genauso heisst wie seine Hauptstadt. Da muss man sich nämlich nicht viel merken und das Lernen ist grad viel effizienter. Und Panama Stadt ist für eine Grossstadt recht hübsch. Es hat ein architektonisch recht gelungenes Geschäftviertel und eine hübsche Altstadt und ist sauber und äusserst sicher.

Unsere erste Unterkunft in der 19. Etage Downtown
Geschäftsviertel Panama City – eine Augenweide

Wir hatten unser AirBnB in der 19. Etage. Nochmal 10 Etagen höher befand sich unser Pool mit einem spektakulären Blick auf den Pazifik und das Geschäftsviertel.

Fast wie daheim und doch mitten in Panama Stadt

Panama-Kanal

Schon am ersten Tag hatten wir um acht Uhr einen Termin. Marco hat einen alten Freund -Päscu-, der hier in Panama Stadt lebt und der hatte eine Tour mit uns organisiert. Er holte uns und seine Tochter Laila, die gleich nebenan wohnt, daheim ab und dann fuhren wir nach Gamboa. Gamboa ist ein Regenwald Reservat direkt am Panama Kanal. Hier, am Gatun Lake, ist die höchste Erhebung des Kanals und man kann auf dem See mit einem Boot herumfahren und ganz viele lustige Tiere sehen:

Brüllaffe – den älteren Semestern bekannt aus der Toyota-Werbung
Diesen riesigen Leguan hat Lorenzo vom Boot aus entdeckt!

Einige Äffchen durften wir sogar mit Bananen füttern:

Mimi füttert ein Äffchen mit lustiger Frisur (also das Äffchen!!!)

Anschliessend badeten wir noch in dem See, der zwar schön warm ist, aber leider sehr trübe. Päscu meinte, hier leben einige Krokodile…

Romina und Laila auf dem Panama-Kanal
Wir alle auf dem Panama Kanal
Ich beim Versuch, einen Affen zu fotografieren

Marcos Alter Freund Pascal entführte uns dann noch in ein Nobelresort, wo wir in Ruhe einen Kaffee trinken wollten. Auf der Fahrt dorthin meinte er, da gäbe es so Kängurus auf der Wiese. Ich bin ja jetzt kein Biologe und schon gar kein Experte für Kängurus, aber hier in Panama, echt jetzt? Also ich will euch nicht auf die Folter spannen. Die Tierchen, die da auf der Wiese herumhoppelten waren keine Kängurus, sondern Agutis:

Das berühmte Panama-Känguru 😉

Am nächsten Tag besuchten wir den Panama Kanal, also das Besucherzentrum. Das Besucherzentrum besteht aus einemr kleinen Tribüne, von der aus man eine Schleuse ansehen kann und aus einem IMAX-Kino. Im Kino lief ein Informationsfilm, der von Morgan Freeman produziert wurde. Dieser ist tatsächlich sehr informativ, was man vom Rest des Besucherzentrums nicht sagen kann. Man erhält hier genau Null Informationen und offenbar ist die Idee, dass ja heutzutage sowieso jeder Wikipedia hat.

Der Panama-Kanal ist übrigens der wichtigste Wirtschaftsfaktor Panamas. Eine Durchfahrt für ein Container- oder Kreuzfahrtschiff kostet zwischen 200.000 und 500.000 US!!! Also nichts, was man sich mal so am Freitag Nachmittag gönnt. Dank dieses Kanals und einer umsichtigen Finanzpolitik ist Panama eine der grössten Wirtschaftsmächte Lateinamerikas. Das merkt man auch als Tourist. Im negativen Sinn an den hohen Preise und positiv weil alles gepflegt und sauber ist und man kaum Kriminalität zu fürchten hat.

Der Kanal wurde 1914 fertiggestellt, nach rund 30 Jahren Bauzeit, bei der sehr viele Arbeiter an Dengue und Malaria gestorben sind. Ursprünglich wollten die Franzosen diesen Kanal bauen, nach dem Vorbild des Suez-Kanals. Allerdings merkten die Franzosen nach zehn Jahren Bauzeit, dass man einen geraden Kanal bei diesem feuchten Klima hier nicht bauen kann, weil der Regen immer wieder alles überspült, und gaben auf. Die Amerikaner kamen dann auf die Idee, den Höhenunterschied mit Schleusen zu überbrücken, anstatt ihn einfach abzugraben. Der Kanal ist übrigens 82 Km lang und muss einen Höhenunterschied von 26 Metern überwinden, dazu dienen die insgesamt 12 Schleusen. Ein gerader Kanal hätte übrigens schon alleine daher nicht funktioniert, weil der Pazifik 20cm höher ist als der Atlantik.

Querschnitt durch den Panama Kanal

Die Bedeutung des Panamakanals für die internationale Schifffahrt ist immens: früher mussten die Schiffe unglaubliche, und vor allem gefährliche, Wege via Kap Hoorn überwinden. Dank des Panamakanals kann diese Überfahrt durch die dünnste Stelle zwischen Nord- und Südamerika abgekürzt werden. Der Panama Kanal gehörte übrigens bis 1977 zu den USA, die ihn ja auch erbaut hatten. Erst 1977 wurde der Kanal durch den US Präsidenten Jimmy Carter an das Land Panama übergeben. Dem neuen Präsidenten Donald Trump gefällt das aber nicht so richtig. Seit einiger Zeit ist er mit der Forderung in den Medien, Panama solle den Kanal denen zurückgeben, die ihn erbaut haben. Offenbar sind dem Donald die Durchfahrtpreise für den Kanal zu hoch. Angesichts der Preise hat er, glaube ich, nicht ganz Unrecht 😉

Miraflores-Schleuse

Von den Schleusen selbst waren wir fast etwas enttäuscht: die sind so schmal, dass da knapp ein Schiff reinpasst. Offenbar müssen sich Schiffsbauer und Schleusebauer da immer ziemlich bezüglich der Masse absprechen.

Noch kein Lebenszeichen vom Koffer

Nach so viel Schleusen und Informationen kamen wir ziemlich platt zuhause an. Da wir von unserem Koffer noch nichts gehört hatten, gingen wir davon aus, dass wir noch eine Weile ohne Koffer leben müssten. Also beschlossen wir, ins nahegelegene Einkaufszentrum zu fahren und einige Not-Kleider zu kaufen. Das Einkaufszentrum war riesig, wir völlig überfordert und alles war auf Weihnachten ausgerichtet. Neben der üblichen Beschallung mit Jingle Bells und im Weg herumstehenden blinkenden Weihnachtsbäumen stolperten wir direkt am Haupteingang über ein Eisfeld:

Das Eisfeld im Einkaufszentrum

Also das war doch tatsächlich richtiges Eis und bei Aussentemperaturen von 30 Grad konnte man sich da Schlittschuhe leihen und einige Zeit auf dem Eis herumrutschen. In Sommerkleidern… Und wenn man hinfällt, friert das Füdi am Eis fest, brrrrrrr!

Apropos Sommerkleider: das war ja eigentlich der Zweck unseres Besuches und das gestaltete sich als recht schwierig. Weil – ob ihr es glaubt oder nicht: es gab in den Geschäften ausschliesslich Winterkleider und Festtagskleider. Also es war sehr schwierig. Und selbst wenn man dann mal etwas Tragbares gefunden hatte, dann stand man vor solchen Preisschildern hier:

Welchen Preis nehmen wir heute?

Apropos Preis: Panama hat keine eigene Währung. Oder zumindest nur bei den Cent, die heissen Balboa, nach einem spanischen Seefahrer. Ansonsten zahlt man überall mit US Dollar, was für uns super ist, weil wir nicht umrechnen müssen und es nicht so schlimm ist wenn man „Restgeld“ mit heimnehmen muss. Apropos Restgeld: Panama City ist doch tatsächlich die Stadt wo das Geld auf der Strasse liegt. Als ich eines Morgens vom Bäcker zurück kam, lagen zusammengeknüllte 55 Dollar auf der Strasse. Na so darf ein Tag aber wirklich beginnen 🙂

Und unser Koffer?

Also ich geb es zu, wir haben hier ein bisschen spanisch gelernt. Und das erste Wort was wir lernen mussten war „la maleta“, was zu deutsch Koffer heisst. Und an unserem letzten Tag in Panama City kam plötzlich eine Whatsapp von unserem Koffer. Er hat dann doch erst die übernächste Maschine nach Panama genommen und ist nun aber da. Wo wir denn seien, ob wir eine Adresse hätten wo er hinkommen soll. Wir liessen ihn der Einfachheit halber an das Hotel vis-a-vis von unserem Hochhaus liefern. Und da stand er eines Tages einsam und hilflos neben der Rezeption. Und da ist der Koffer nebst stolzem Kofferträger:

La maleta 😉

Und damit möchte ich mich ganz kurz von euch verabschieden. Ich schiebe dann zeitnah den nächsten Blogbeitrag nach. Es gibt nämlich mal wieder viel zu erzählen.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: dem aufmerksamen Leser ist sicher aufgefallen, dass unsere Domain geändert hat. Seit einigen Jahren ist die Bezeichnung Südsee ja nun nicht mehr so aktuell und da haben wir zackig reagiert und die Domain gewechselt. Ihr müsst nichts machen, alles geht automatisch, nur halt auf der neuen Domain.

Liebe Grüsse aus dem ziemlich verregneten Panama!

PS: Da flatterte nun nach Redaktionsschluss doch noch eine traurige Nachricht ein: genau heute ist Jimmy Carter gestorben, im Alter von 100 Jahre und drei Monaten. Rest in peace Jimmy! Also ihr erinnert euch sicher: das war der Präsident, der den Panama Kanal an Panama übergeben hat.