Es regnet mal wieder, immer noch. Keine Ahnung warum. Es regnet irgendwie immer. Wir registrieren es schon langsam nicht mehr. Hauptsache warm. Das Problem ist nur, dass die Kleider und Handtücher und die Badesachen nicht mehr trocknen. Wir werden auf dem Heimflug definitiv Übergewicht haben weil alles nass ist.
Aber was soll’s, das Wetter kann man nicht ändern! Und so haben wir unser Mietauto in Empfang genommen und Panama Stadt verlassen.
Die Panamericana
Auf der Panamericana geht es nun Richtung Westen. Die Carretera Panamericana, wie sie hier genannt wird, ist die Verbindungsstrasse von Alaska bis nach Feuerland und umfasst in seiner längsten Ausdehnung fast 26.000 km. Bis auf wenige Lücken ist die Panamericana durchgängig. Eine dieser Lücken befindet sich genau hier in Panama. Reist man vom Norden her und will Panama durchqueren, endet die Panamericana etwa 40km vor der kolumbianischen Grenze. Will man von Panama nach Kolumbien reisen, muss man dies übers Meer per Schiff tun, es gibt keine Landwege nach Kolumbien.


Das tangierte uns jedoch alles peripher, weil wir in diese Richtung nicht unterwegs waren. Unser erster Stop nach der Hauptstadt war das Dorf El Valle de Anton. Das Besondere an El Valle ist, dass es sich in einem Vulkankrater befindet und es dort schöne Wanderwege gibt.
Als erstes bezogen wir ein kleines Häuschen mitten im Vulkankrater und stolperten über ganz viele Tiere in unserem Garten:






Weihnachten
Und schon war Weihnachten. Weihnachten in einem erloschenen Vulkan hat irgendwie Stil, finde ich. Und so machten wir ein Apero und verteilten kleine Geschenke (für grosse Geschenke war im Koffer kein Platz – wir sind da pragmatisch!):

Und weil es üblich ist, an Weihnachten in den Zoo zu gehen, taten wir das auch dieses Jahr. In El Valle gibt es einen Zoo mit unglaublich vielen Tieren, allerdings nicht immer in artgerechter Haltung. Wir mussten uns ein paar mal mächtig zusammenreissen, um die armen Tiere nicht einfach in die Freiheit zu entlassen. Die meisten Tiere hatten es aber recht gemütlich und wir hatten ziemlich Spass:


Ein paar Schritte weiter gibts schon wieder Spannendes zu entdecken:


Lorenzo hat schon wieder etwas entdeckt:


Plötzlich kam der Leonardo daher und hatte das dringende Bedürfnis, ein Faultier zu sehen. Wir hatten ja schon bei der Einfahrt nach El Valle eines in einem Baum hängen gesehen und da war der Leonardo auf den Geschmack gekommen. Also googelten wir schnell das spanische Wort für Faultier: Perezo! Mit dieser neuen Vokabel gingen wir zum Einlass und fragten, ob sie so ein Perezo hätten. Die Dame an der Kasse überlegte kurz und meinte dann, Jaaaa sie haben da eines, aber nur ein Baby-Faultier. „Jööööööö!!!“ machten die Kinder im Chor. Her mit dem Baby-Faultier. Ein Angestellter wurde zitiert, der uns zum Faultier bringen sollte, et voilà: Das Baby Faultier:

Die Kids durften es sogar streicheln. Zu unserer grossen Überraschung ist das Fell ganz weich, gar nicht so strubbig und borstig wie es aussieht.


Faultiere sind übrigens die seltsamsten Lebenwesen überhaupt. Aus Energiespargründen bewegen sie sich -wenn überhaupt- nur in Zeitlupe. Sie verlassen einmal in der Woche ihren Baum (zum Pipi machen) und einmal im Jahr für die Paarung. Die meiste Zeit hängen sie schläfrig und müde irgendwo herum – meist in einem Baum, manchmal auch an einem Stromkabel. Als einziges aller lebenden Säugetiere haben Faultiere mehr als sieben Halswirbel (hätte ich jetzt eher der Giraffe zugetraut, hehe!), damit es in alle Himmelsrichtungen schauen kann, ohne sich dabei bewegen zu müssen – war ja klar. Unser Faultier hier hatte eine Aufmerksamkeitsspanne von etwa zehn Minuten. Danach hängte es sich in eine Astgabel und schlief sofort ein. Der Kleine war echt fix und fertig 🙂
Wanderung zum Vulkankrater
Am nächsten Tag wanderten wir unter grossem Genöle der Kids auf den Kraterrand von El Valle. Der Reiseführer schwärmte von einer sensationellen Aussicht. Und das war dann auch tatsächlich sehr hübsch und wenig anstrengend, wie wir fanden. Die Kids sahen das natürlich ganz anders.


Auf dem Weg zum Vulkan gab es am Wegsrand noch einige Petroglyphen zu bestaunen. Das sind Gravuren in einigen Felsen. Niemand weiss, wer diese Gravuren gemacht hat und wie alt diese sind. Und so rätselten auch wir etwas herum, weil die Gravuren irgendwie überhaupt keinen Sinn ergaben:



Einige Meter weiter lag am Wegesrand ein unscheinbarer Felsklotz mit etwas besser zu deutenden Kratzereien:


Auf dem Rückweg kamen wir noch ins Dorf El Valle. Dieses hat uns sehr gefallen. Es ist von überschaubarer Grösse und hübsch und gepflegt:

Ausserdem fanden wir hier ganz viele Panama-Hüte. Der Panama-Hut stammt übrigens gar nicht aus Panama, sondern aus Equador. Er wurde für den Export aber in Panama eingeschifft und seiter ist er für die Europäer einfach der Panama-Hut.

Boquete und der Vulkan Baru
Nach einigen Tagen verliessen wir El Valle und machten uns auf, zum nächsten Vulkan, dem höchsten Berg Panamas: dem Volcan Baru.
Unterwegs kamen wir in eine Ortschaft namens San Lorenzo:

Auf der Weiterfahrt fing es irgendwann an zu regnen und hörte einfach nicht mehr auf. Der Scheibenwischer war komplett am Anschlag und die Stimmung sank. Als wir in Boquete ankamen, traf uns fast der Schlag: 18 Grad!!! Boquete liegt auf 1.300m und das merkt man schnell. Also schnell eine heisse Dusche und die langen Kleider angezogen. Am Abend gingen wir zum örtlichen Italiener Pizza essen. Als die Mimi dort vom Klo zurückkam, meinte sie, wir sollten uns unbedingt mal den Hund angucken. Wir gucken ja eigentlich nicht gern Hunde, aber der hier war irgendwie total gechillt:

Tres Cascadas
Aber schon am nächsten Tag schien wieder die Sonne und da konnten wir uns auf der Terrasse etwas trocknen:

Und da wollten wir ein wenig raus in die Natur und gingen zur Wanderung mit den drei Wasserfällen. Das war auch alles sehr gut ausgeschildert:

Eine Hängebrücke gabs auch:

Allerdings nur mit Einschränkungen nutzbar:

Unterwegs fanden die Kids endlich mal eine Katze. Es gibt kaum Katzen in Panama.

Und weiter gings zu den drei Wasserfällen:










Auf dem Rückweg ins Dorf gab es auch wieder Spannendes zu sehen:

Irgendwann unterwegs musste ich mal für kleine Mädchen und da fielen mir die komischen roten Früchte auf, die hier überall an den Büschen wuchsen. Und irgendwie duftete es auch verdächtig nach Kaffee.

Also machten wir einen langen Hals und entdeckten eine Kaffee-Farm.

Marco regte sich erst ein wenig über die Preise auf und kaufte dann doch den teuersten Kaffee, den sogenannten Geisha Kaffee. Dieser gilt als Edelkaffee mit natürlichem Mango-Aroma und ist wohl der teuerste Kaffee der Welt. Wir halten euch dann auf dem Laufenden 😉
Ausserdem gab es noch einen lustigen Felsen zu bestaunen. Offenbar ist dieser Felden bei Kletterern sehr beliebt. Am Morgen kletterten sie da mit Seilen und Ausrüstung daran herum wie die Ameisen. Am Nachmittag waren die Kletterer aber alle weg, perfekt für mein Foto hier:

Der Volcan Baru
Und damit komme ich zu jenem denkwürdigen Tag, an dem wir unsere Kids einen ganzen Tag alleine daheim liessen, was eigentlich so nicht geplant war. Wir waren ja immer noch in Boquete in den tropischen Nebel-Regenwäldern kurz vor der Grenze nach Costa Rica. Und dorthin geht man ja nicht wegen des zweifelhaften Wetters, sondern wegen des Vulkans Baru, der mit 3.477m der höchste Berg Panamas ist. In unserem Reiseführer rangiert der Vulkan unter den top fünf einer Panama-Reise. Er war auch der Hauptgrund, warum wir warme Kleider dabei hatten.
Am ersten Abend in Boquete trafen wir bei besagtem Italiener – der mit dem lustigen Hund auf der Couch – eine Gruppe älterer Deutscher in Outdoorkleidung. Marco meinte, die sehen aus als wären die auf dem Vulkan gewesen, wir fragen die doch mal wie es war. Und das war ein Volltreffer! Die Deutschen waren tatsächlich am Morgen um halb 7 aufgebrochen und sind auf den Vulkan gelatscht. Und die waren fix und fertig und haben sich wohl mit letzter Kraft noch hier zum Italiener geschleppt. Der Weg da hoch sei steil, ewig lang, rutschig und oben haben sie genau gar nichts gesehen weil es ab um zehn mal wieder dermassen stark geregnet hat, dass vor lauter Wolken und Nebel die Hand vor Augen nicht zu sehen war. Sie haben für den Aufstieg 6 (in Worten: SECHS!) Stunden gebraucht und hätten sie nicht zufällig eine Mitfahrgelegenheit für den Rückweg gefunden, dann wären sie immer noch irgendwo dort beim Abstieg. Das mit der Mitfahrgelegenheit fanden wir etwas merkwürdig. Fahren da etwa Autos hoch??! Jaaaa, da geht eine üble Schotterpiste rauf und man kann sich dort für 150 US Dollar pro Person rauffahren lassen mit so speziellen geländegängigen Jeeps.
Okay, 150 Dollar pro Person kam für uns nicht in Frage und sechs Stunden Aufstieg plus vier runter macht zehn Stunden Latschete – das konnten wir unseren Kids jetzt wirklich nicht zumuten. Und damit war das Thema eigentlich für uns gegessen.
Eigentlich…
Wenn da nicht hinter unserem Haus der Vulkan herumstehen würde. Und unser Reiseführer schwärmt von der Aussicht da oben. Man kann dort beide Ozeane sehen, also den Atlantik UND auf der anderen Seite den Pazifik.
Wenn das Wetter gut ist.
Und man sich sechs Stunden dort raufquält.
Hmmmm. Der Vulkan also.
Und der geisterte nun bei uns in den Köpfen herum. Bei den Kindern unter der Rubrik „Bloss nicht!!!“ und bei uns eher unter dem Aspekt, dass der Vulkan der höchste Berg hier ist und unter den top Highlights Panamas residiert und man zwei Weltmeere von dort aus sehen kann.
Also ich mach es hier mal kurz. Irgendwo unter einem der drei Wasserfälle beschlossen Marco und ich, dass wir einfach allein da raufgehen. Wenn wir am Morgen um 2 losgehen mit Schweizer Wandergeschwindigkeit, dann sind wir um elf wieder daheim und dann reicht es noch für mit den Kids in den Schmetterlingspark, da haben die auch noch was gemacht. Dachten wir.
Um 2 am Morgen klingelte der Wecker und da war doch noch ein anderes Geräusch… Genau! Es regnete. Mal wieder. Also wieder hinlegen und um vier noch mal versuchen. Um vier hatte der Regen aufgehört und wir beschlossen, halt einfach zwei Stunden später loszulaufen, würde immer noch knapp für den Schmetterlingspark reichen.
Und so kamen wir nach einem hektischen Frühstück völlig verpennt am Eingangsschild des Nationalparks an:

Wir liefen etwa eine Stunde in völliger Finsternis bevor es hell wurde. Wobei, ganz dunkel war es gar nicht, ein Glühwürmchen leistete uns eine zeitlang Gesellschaft und leuchtete uns den Weg.
Unterwegs passierte nicht viel, ausser dass wir ab und an in die Büsche mussten und es immer mal wieder nieselte. Doch plötzlich, auf dem letzten Drittel des Weges: Motorengeräusch! Aha! Sind wir doch nicht ganz alleine auf dem Berg. Da kommen offenbar die Sonnenaufgangs-Typen mit dem Jeep wieder runtergefahren:

Der erste Fahrer hielt übrigens kurz an und fragte, ob alles okay ist und wann wir losgelaufen sind. Als wir sagten, halb 5, nickte er zufrieden und wünschte uns noch eine schöne Wanderung.
Und der Weg zog sich. Und zog sich. 1700 Höhenmeter macht man nicht mal so eben. Die müssen hart erkämpft sein.
Irgendwann, nach 4,5h Latschete, kamen wir hinter einer Wegbiegung aus dem Dschungel heraus und da sahen wir das hier:

Und noch ein paar gequälte Keucher weiter hatten wir es endlich geschafft:


Der Vulkan gilt übrigens als aktiv, weil der letzte Ausbruch erst 500 Jahre her ist.
Was uns, also vor allem mich, aber am meisten begeisterte, war die Tatsache, dass wir trotz eher miesen Wetters tatsächlich beide Ozeane sehen konnten. Und zwar ohne Fernglas und Sperberauge. Glaubt ihr nicht? Guckt ihr hier:

Und ein Schwenk um 180 Grad:

Allerdings hatten wir nicht viel Zeit, uns über die tolle Aussicht zu freuen. Wir mussten uns nämlich ziemlich zackig auf den Rückweg machen, wenn wir es noch in den Schmetterlingspark schaffen wollten. Ein kurzer Blick noch zum Kolibri, der hier oben als einziger die karge Landschaft bevölkerte:

Der Abstieg war zwar kürzer, zog sich aber auch noch mal massiv in die Länge. Nach jeder Wegbiegung hofften wir, es geschafft zu haben. Aber es waren noch mal gefühlt hundert weitere Biegungen, bis wir ENDLICH mit schmerzenden Knien an dieses Schild kamen:

Und jetzt nur noch heim.
Noch 17 Minuten bis Kaffee und Kids.
Dachten wir.
Bis wir an dieses halbseitige Strassenhindernis kamen:

Und ich dachte mir noch so, dass die ausgerechnet am Freitag Nachmittag hier die Büsche verschneiden müssen und uns aufhalten, als ein Polizist uns Zeichen machte, den LKW zu überholen.
Wir fuhren gerade an der Fahrerkabine des LKW vorbei als ich im Augenwinkel sah, wie die Fahrertüre aufging, es gab ein Kratzen, einen Knall und lautes Gefluche. So ein verdammter Mist! Das kann doch jetzt wirklich nicht wahr sein, oder?
Doch:

Also unser Auto hatte da ein Loch und der Spiegel hing schief und da war noch der Kratzer quer über die ganze Beifahrerseite. Unsere Autovermietung wird begeistert sein.
Also wir warteten dann noch 30 Minuten auf den Polizisten aus dem Dorf. Der hatte ungefähr 1.5 Stunden, um das Unfallprotokoll zu schreiben. Er sprach kaum englisch und erzählte Marco, dass er via Duolingo englisch lernt. Marco wiederum erklärte ihm, dass er ebenfalls via Duolingo Spanisch lernt. Sie zeigten sich dann gegenseitig die App auf dem Smartphone und das lockerte dann die ansonsten etwas angespannte Stimmung.
In der Zwischenzeit telefonierten wir mit unseren armen Kids, die jetzt definitiv heute das Haus nicht mehr verlassen würden. Aber sie waren froh, dass uns nichts passiert war, das Loch im Auto interessiert sie nicht weiter. Solange daheim das WLAN funktioniert, sind sie zufrieden.
Nachdem das Unfallprotokoll geschrieben war und wir eine Kopie davon bekamen, fuhren wir los – direkt zum nächsten Baumarkt und kauften Reparaturwerkzeug für den Autoschaden:


Der Beifahrerspiegel funktioniert sogar noch 🙂
Und damit hatten wir uns ein deftiges Nachtessen aber wirklich sowas von verdient:


Und damit verabschieden wir uns von Boquete. Wir sind weitergereist und sitzen auf der Inselgruppe Bocas del Toro auf der Insel Bastimentos. Die Inselgruppe hatten wir ja schon vom Vulkan aus gesehen. Und dort sitze ich nun und schreibe diesen Blog und wisst ihr was? Es regnet. Mal wieder! War ja klar. Aber hier ist der Regen viel wärmer weil wir unten am Meer sind, wir sind mit wenig zufrieden 😉

Und wie wir hier hergekommen sind und was wir so alles gemacht und erlebt haben, erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag.
Bis dann, tschüssli!
31. Dezember 2024 um 15:30
Liebe Andrea
Es ist immer wieder amüsant und spannend deine Reiseberichte zu lesen.
Ich wünsche dir und deiner Familie noch viel Spass in Panama und einen guten Start in ein gesundes neues Jahr 2025.
Liebe Grüsse Enrico
1. Januar 2025 um 21:55
Liebe Andrea!
Dir und der Familie ein gutes neues Jahr!
Spannend die Reiseberichte ,der viele Regen,
Grüße von Sabine und Gottfried
2. Januar 2025 um 11:52
Ciao a tutti🥰
Es esch soooo spannend, loschtig ond amüsant üchie Bloog z’läse ! Mer hend emmer mega de Plausch ond send wie fascht echli debi.😉😄
Mer wönschid üch wiiterhen vöu Vergnüege ond wönschid üch buon anno !
Ci vediama nel estate.🇮🇹🥂🤩
Bacione
6. Januar 2025 um 15:45
Liebe Rocchis,
das ist ein sehr schöner Blogeintrag ! Das Foto von Lorenz mit dem Insekt in der Blüte ist wunderschön ! Und, ich freue mich sehr auf den Erfahrungsbericht über den Geisha Kaffee.
Wie ging die Geschichte mit Unfall weiter ? Bitte um Fortsetzung ….
Alles Liebe – Claudia